Miniaturfotografie

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Miniaturfotografie - Was ist das?

Stellen Sie sich vor, in unserer großen, normalen Welt lebt ein kleines Völkchen, die Kleinen Leute. Sie teilen unsere Welt mit uns, aber sie sind nur 1 cm groß, und entsprechend nutzen sie die alltäglichen Dinge in unserer Welt auch ganz anders. Wenn ich in meiner Küche das Mittagessen vorbereite, entdecke ich sie, wie sie auf Keksen herumtoben, unter ein paar Brokkoliröschen wie unter Palmen campen oder meinen Frühstücksteller nutzen, sei es, um selber zu frühstücken oder auch, um die Krümelreste zu beseitigen. Campen im Brokkoliwald Frühstücksteller

Die kleinen Figuren, die eigentlich zur Modelleisenbahn gehören, sind nur gut 1 cm groß. Es gibt sehr viele verschiedene Menschen und Tiere, die man über das Internet bestellen kann: Frauen, Männer, Kinder, einen Pfarrer, Köche, Arbeiter, Jugendliche, Babys, Schulkinder, Hunde, Elefanten, sogar Frau Merkel... Und alle sind gerade mit irgendetwas beschäftigt.

Ein sitzender Junge bringt mich auf die Idee, dass ein paar Kekse auf einem Teller doch einen interessanten Spielplatz abgeben könnten, wo ein Kind gern die Schrägseite eines Kekses hinunter rutschen würde. Haferplätzchen

Beim Kuchen kaufen entdecke ich im Cafe ein Tortenstück in der Auslage, dessen Oberfläche von einer Marzipanschicht bedeckt ist. Diese Schicht ist von der Mitte her zurück gerollt. Sofort fällt mir ein kleiner Arbeiter im Blaumann ein, der gerade eine schiebende Bewegung macht, so als ob er die Marzipanschicht zurück rollt. Natürlich kaufe ich das Tortenstück. Beim Fotografieren zu Hause muss es dann aber schnell gehen. Marzipantorte

Es macht sehr viel Spaß, sich kleine Geschichten auszudenken, die von den Kleinen Leuten in unserer Alltagswelt erzählen und davon ausgehen, dass sie unsere Welt ganz selbstverständlich mitbenutzen, nur eben auf ihre Weise.

Seit 2015, nachdem ich im Fernsehen einen Beitrag über eine junge Miniaturfotografin gesehen hatte, lässt mich die Begeisterung für dieses schöne Hobby nicht mehr los. Ob beim Spaziergang, beim Einkaufen, im Badezimmer, beim Kochen oder an jedem anderen Ort, immerzu kommen mir Ideen, begegnen mir vor meinem inneren Auge die Kleinen Leute, die sich ganz natürlich mit irgendetwas beschäftigen. Sie nutzen dabei die Dinge unserer Alltagswelt. Ich halte diese kleinen Szenen fest, entweder vor Ort oder auf meinem Fototisch, der für Makrofotografie geeignet ist. Die fertigen Fotos lassen die Betrachter/innen staunen, inne halten, nochmals hinschauen. Sie denken: Hab ich das jetzt richtig erkannt? Sind das tatsächlich Heidelbeeren, vor denen die Kleine Frau mit dem Handy in der Hand steht? Warum steht sie wohl dort? Ach so, sie ist mit dem Fahrrad gefahren und ihr Weg ist nun von den Beeren versperrt, weshalb sie nun telefonisch Hilfe ordert… So oder so ähnlich entstehen die Geschichten dann auch im Kopf der Menschen, die meine Fotos betrachten. Klar, so etwas geht nicht in einer Sekunde, da wird man neugierig und bleibt einen Moment länger stehen. Heidelbeerblockade

In den Jahren 2018/19 durfte ich eine Auswahl meiner schönsten Bilder dreimal ausstellen: in einer Praxis für Physiotherapie in Freckenfeld, im Kleinen Kulturzentrum Rheinzabern und im Alten Rathaus Hagenbach. Es war sehr interessant, die Besucher/innen während ihres Rundgangs zu beobachten. Während in anderen Kunstausstellungen die Menschen meist schweigend von einem Bild zum nächsten gehen und anschließend die Räumlichkeiten verlassen, fiel mir auf, wie lebhaft es in meiner Ausstellung zuging. Die meisten Menschen lachten hin und wieder laut auf, zeigten sich gegenseitig besonders eindrucksvolle Bilder und sprachen darüber. Viele sprachen mich anschließend auf mein Hobby an und wollten wissen, wie ich auf die Ideen komme, woher ich die Figuren habe und vieles mehr. Einige wollten das eine oder andere Bild auch für die eigene Wohnung oder als Geschenk (etwa zur Hochzeit) erwerben.

Zweimal wurde ich von einem Fernsehteam angerufen, die einen Film über mich und mein Hobby drehen wollten: einmal der SWR und einmal Sat 1 regional. Beide Teams besuchten mich nacheinander, interviewten mich und filmten mich beim Fotografieren. So entstanden zwei Filme, die im Fernsehen 2018 und 2019 ausgestrahlt wurden.
Hier geht es zum SAT 1 Film.

Ein weiteres Highlight ist die Veröffentlichung eines 6 seitigen Artikels über mich und meine Miniaturfotografie in der Fachzeitschrift „Traumflieger Makrowelt“ Ausgabe 8 (Januar 2019). Hier wurde neben den Bildideen auch technische Details besprochen.

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, möchte ich auch hier beantworten: Gehen dir denn nie die Ideen aus? - Bisher nicht! Man kann nicht gut vorher sagen, wann einem welche Idee kommt, aber es gibt immer wieder neue Szenen und kleine Geschichten, die zuerst in meinem Kopf und dann auf meinem Fototisch entstehen und sich anschließend durch den Feinschliff am Computer zu einem Miniaturfoto entwickeln, das ich gerne hier oder in der Fotocommunity veröffentliche! Gerne lade ich alle Interessierten dazu ein, mich auch dort zu besuchen!